Schweizerische Reederei AG [ab 1975 Schweizerische Reederei und Neptun AG]
Titel
Schweizerische Reederei AG [ab 1975 Schweizerische Reederei und Neptun AG]
Signatur
PA 1131b
Stufe
Bestand
Entstehungszeitraum
1964-1984
Archivalienart
Akte
Rechtsstatus
Eigentum des Staatsarchivs Basel-Stadt
Laufmeter
0.10
Provenienz
Edmund Wyss (1916-2002)
Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben
Die Wurzeln der SRN liegen in den Versailler Verträgen, in denen die Schweiz als Rheinuferstaat anerkannt wurde und das Recht auf uneingeschränkte Schifffahrt bis ins offene Meer erhielt. Damals drängten sich Investitionen in Schiffe und Hafenanlagen auf. Die Investitionen waren für Einzelunternehmen zu umfangreich und die nationale Bedeutung unbestritten. So wurde 1919 in Bern die Schweizer Schleppschifffahrtsgenossenschaft gegründet. Neben den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, St. Gallen, Solothurn, Waadt, Wallis und Zürich beteiligten sich auch der Verband Schweizerischer Gaswerke und die Schweizerischen Bundesbahnen.
1938 musste die Schleppschifffahrtsgenossenschaft aufgrund des neuen Obligationenrechts in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die "Schleppi" erhielt einen neuen Namen und hiess nun Schweizerische Reederei AG. In ihren Statuten verpflichtete sie sich, ihre Geschäfte unter besonderer Wahrung der Landesinteressen zu führen.
Im Zweiten Weltkrieg ersuchte die Schweizerische Reederei AG den Bundesrat um die Schaffung eines schweizerischen Seerechts und die Einführung der Schweizerflagge, stiess aber auf Ablehnung. Zwei Jahre später, als die Ausdehnung des Krieges den von der Schweiz gecharterten griechischen Schiffen die Einfahrt ins Mittelmeer verunmöglichte und die Versorgung aus Übersee abzubrechen drohte, kam der Bundesrat auf seinen Beschluss zurück. Das neue Gesetz trat schon 1941 in Kraft. Die bisher von der Schweizerische Reederei AG und dem Verband Schweizerischer Gaswerke gemeinsam unter der Flagge Panamas betriebenen Schiffe Calanda und Maloja wurden als erste ins Register der Schweizerischen Seeschiffe eingetragen. Die Schweizerische Reederei AG sicherte vom Frühjahr 1941 bis zum Herbst 1944 die Brennstoffversorgung der Schweiz zu wesentlichen Teilen. Da auch das Schiffspersonal, welches meist aus Holland oder Deutschland stammte, knapp wurde, schuf die Schweizerische Reederei AG ab 1940 einen eigenen Ausbildungsgang und richtete dafür das Schulschiff Leventina ein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Schweizerische Reederei AG zu einem komplexen Unternehmen im Bereich Gütertransport und Logistik. Wichtigste Stationen dieser Entwicklung waren der Zusammenschluss aller Speditionsfirmen unter dem gemeinsamen Dach der Alpina Internationale Transport AG 1954, die Expansion ins Luftfrachtgeschäft durch die Gründung der Panalpina Welttransport AG 1960 und 1975 die Fusion mit der Neptun AG. 1984 wurde der Migros-Genossenschafts-Bund Mehrheitsaktionär und begann den Umbau der SRN von der einst grössten Schweizer Reederei (125 Schiffseinheiten) in eine internationale Logistikfirma (mit noch vier Schiffen). Im Jahr 2000 wurde sie an die deutsche Rhenus verkauft mit der Begründung, das florierende Unternehmen könne auf dem globalisierten Markt alleine nicht bestehen.
Die Unternehmenskultur der Schweizerische Reederei AG und die Bindung der Mitarbeiter war überdurchschnittlich. Schon 1926 hatte die "Schleppi" eine Betriebskrankenkass für das Schiffspersonal gegründet. 1939 folgte die Gründung einer Pensionskasse für das an Land tätige Personal, und 1953 errichtete die Schweizerische Reederei AG als erste Rheinreederei auch eine Pensionskasse für ihre Schiffsbesatzungen. Ein Jahr zuvor war bereits die Fürsorgekasse für das im Akkord und Stundenlohn beschäftigte Hafenpersonal gegründet worden. In diesen Kontext gehört auch die Gründung der Stiftung zugunsten des Schiffspersonals 1943 und die Einrichtung des Schifferhauses als Freizeit-Aufenthaltsort und Verpflegungsstätte. Die Angliederung des Schifferkinderheims 1958 war eine logische Folge dieser Haltung.
Bestandsgeschichte
Die Ablieferung 1994/9 wurde dem Staatsarchiv vom Departementssekretariat des Wirtschafts- und Sozialdepartements abgeliefert. Sie enthielt Unterlagen der ÖKK, der BVB, der Rheinschiffahrtsdirektion, zum Krankenversicherungsgesetz, zur Unfallversicherungskasse des Staatspersonals und die vorliegenden Unterlagen betr. Schweizerische Schiffahrtsvereinigung, Schweizerische Reederei und Neptun AG und zur Panalpina Welttransport AG. Da die hier erschlossenen Unterlagen aus der Tätigkeit von Regierungs- und Nationalrat Edmund Wyss (1916-2002) stammen, er sie aber nicht in direkter Ausübung seines Amtes erstellte bzw. sammelte, wurden sie als Privatarchiv in drei separaten Beständen erschlossen.
Schutzfristkategorie
Ordentliche Schutzfrist
Bewilligung
Gemäss Archivgesetz BS
Schutzfrist
Zeitraumende
Schutzfristdauer
30
Ende der Schutzfrist
12/31/2014
Zugänglichkeit
Oeffentlich
Zugangsbestimmungen
Es gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen des Staatsarchivs Basel-Stadt.
Physische Benutzbarkeit
uneingeschränkt
Veröffentlichungen
Lüem Barbara: Abschied von den roten Schweizern. Der Verkauf der Schweizerischen Reederei und Neptun AG. In: Basler Stadtbuch 121 (2000), S. 112-117.
Herold Heinz: 50 Jahre Schweizerische Reederei AG - Eine Chronik, Basel 1969.
Salvisberg André: Arisierung in der Schweiz. Die Basler Neptun-Reederei in den Kriegsjahren 1939-1945. In: Basler Stadtbuch 122 (2001), S. 256-261.
Matthias Schärer: ...dass man einstweilen den Verkehr mit Neptun noch dulden wolle.... Rheinschifffahrt und Landesversorgung: Die Geschichte der Neptun Transport- und Schiffahrts A.-G., 1939-1945. unveröff. Lizentiatsarbeit Universität Zürich, Zürich 2005.
Verwandtes Material
Schweizerisches Wirtschaftsarchiv: Ein Bestand (44 Lfm) enthaltend Neptun Transport AG, Schweizerische Schleppschiffahrtsgenossenschaft / Schweizerische Reederei AG und Schweizerischen Reederei und Neptun AG 1919-2000.
Schweizerisches Wirtschaftsarchiv: Dokumentensammlung, Verkehr C55